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LINKSrUM Juli/August 2007
Kommentiert: Angst vor der LINKEN.!
Dass die marktliberalen Schreihälse um ihren Lautsprecher Guido
Westerwelle in den tiefen ihres ökonomiefixierten Seins
erschüttert werden durch die soziale Alternative, die am Horizont
endlich wieder erstrahlt, war absehbar. Dass sich der auf jung
getrimmte Chefyuppie Westerwelle aber höchstpersönlich zu
einem Vergleich aus der Mottenkiste der kalten Kriegsrhetorik
hinreißen lässt, überraschte dann selbst die hart
Gesottenen unter den Freidemokraten. Das donnernde „Freiheit oder
Sozialismus“ klingt noch immer vielen schrill in den Ohren, auch wenn
Westerwelle wohl dachte, damit einen Ausspruch mit historischem
Charakter getätigt zu haben. In einer Reihe mit Adenauer, Strauss
und Co. wollte er sich dann aber wohl doch nicht wiederfinden, sodass
er schnell auf andere Metaphern auswich. Eine Wiederbelebung der
„modrigen Leiche“ des Sozialismus sei die Parteineugründung der
Linken, gegen deren Düsternis die FDP mit der „Fackel der
Freiheit“ stehen werde. Aufpassen müssen die Mannen um Westerwelle
nur darauf, dass sie sich an ihrer Fackel nicht verbrennen. Denn
zündeln kann gefährlich werden!
Dass muss jüngst auch der Chef der SPD erkennen. Flammende Reden
gegen die Linke waren bislang auch ganz nach seinem Geschmack, doch
bringen diese Kurt Beck bislang eine schlechte Umfrage nach der
anderen. Da half es eben bislang nicht gegen die
„SED-PDS-Nachfolgegruppierung“ zu hetzen. Doch auch beim Wühlen im
Urschleim der Vergangenheit stehen sich die Parteichefs von SPD und FDP
in nichts nach, poltert doch auch Beck, dass viele in der Linken „das
Gebot der Freiheit mit Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl“
beantwortet hätten. Ein wenig Geschichtsunterricht könnte
vielleicht auch seine, durch puren Hass eingeschränkte Sicht auf
die Dinge etwas aufklären. Oder aber er lässt sich von seinem
Kumpel Westerwelle die Fackel reichen, die dann zu seiner Erleuchtung
beiträgt. Differenzierung und Feingefühl im Umgang mit dem
politischen Gegner sind nämlich keine naturgegebenen
Fähigkeiten.
Beinahe hilflos wirken vor den mächtigen Worten des mächtigen
Beck, die altvertrauten Floskeln des CDU-Generals Pofalla. Die
Linkspartei sei eine linksradikale Partei schimpft er. Naja, so weit so
gut. Aber ein Bisschen aufgepasst hat er auch. Schließlich ist
ihm klar geworden, dass die Linke das kapitalistische System
überwinden will. Leider kennt er das Grundgesetz ebenso wenig wie
sein Kollege von der CSU. Genau wie Markus Söder meint
nämlich auch Pofalla in dieser Aussage die Rechtfertigung für
die Beobachtung der Linken durch den Verfassungsschutz gefunden zu
haben. Zu dumm nur, dass sich das Grundgesetz in keinem einzigen
Artikel auf ein Gesellschafts- oder Wirtschaftssystem festlegt. Von
Juristen hätte man wohl mehr Fachkenntnis erwarten können.
Einzig Edmund Stoiber scheint die ganze Situation etwas objektiver zu
sehen – wahrscheinlich aber eher ungewollt. Er sieht in der
Gründung der Linken eine „Gefahr für die Volksparteien“. Da
hat er Recht, denn in Zukunft wird die Programmatik und das soziale
Profil der Parteien deutlich mehr im Mittelpunkt stehen als bisher. Und
unter dieser Prämisse haben die so genannten Volksparteien
durchaus berechtigt große Angst vor der Linken.
Apropos Angst vor der Linken. Was sagen uns eigentlich die markigen
Sprüche der Politikprominenz von FDP über SPD bis CDU? Will
man das Feuer in der Bevölkerung entfachen, gehört mehr dazu
als eine flammende Rede oder eine kleine Fackel! Fragen sie doch Gysi
und Lafontaine, die zeigen ihnen wie es geht.
Von Axel Krumrey
Spruch für Unbelehrbare
„Wer die friedliche Revolution unmöglich macht, der macht die
gewaltsame Revolution unvermeidlich.“
Wer jetzt an einen großen Sozialisten oder Weltveränderer
denkt, irrt. Der Autor dieses Zitates ist der 35. US-amerikanische
Präsident John Fitzgerald Kennedy. Man glaubt es kaum…
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