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LINKSrUM Juli/August 2007
„Behördenwillkür“?
Obwohl der ungarische Schriftsteller
Kálmán Mikszáth, Vertreter des ungarischen
Realismus, bereits im Jahre 1910 gestorben ist, trifft der Auszug aus
seinem Roman „Seltsame Ehe“ die Prenzlauer Realität fast 100 Jahre
nach dessen Erscheinen. Mikszáth: „Eine Geschichte ist immer
wahr, wenn man sie von einem guten Erzähler hört. Nur eben
nicht so, wie sie sich zugetragen hat, sondern so wie sie sich
hätte zutragen können.“
Die Prenzlauer Geschichte spielt in der Gegenwart, im Juni 2007.
Über einen Vorausbescheid zum Straßenausbaubeitrag in der
Schenkenberger Straße erhitzten sich die Gemüter. Obwohl die
aufgebrachten Bürger mit dem Beitrag rechneten, kam die
Zahlungsankündigung für sie plötzlich und unerwartet.
Den fahrenden Zug erkennend, schwangen sich die Prenzlauer CDU-Chefs
Richter und Genschow auf diesen und bedienten laut – zu laut – das
Signalhorn. „Behördenwillkür“ war ihr Ruf. Dabei
vergaßen die Herren allerdings, dass die entsprechende Satzung im
Jahre 2004 von ihnen einhellig in der SVV mitgetragen wurde. Die
Fraktion DIE LINKE. in der SVV Prenzlau erklärte auf der letzten
Sitzung des Kommunalparlaments dazu:
„Dass Bürger aufgeregt
sind, wenn ihnen plötzlich und zu diesem Zeitpunkt für sie
unerwartet eine Vorankündigung eines
Straßenausbaubeitragsbescheides ins Haus flattert, ist durchaus
verständlich. Menschlich betrachtet, kann ich die Aufregung auch
verstehen, wenn man diesen Vorbescheid erhält, ohne schon konkrete
Baumaßnahmen zu sehen, was nicht heißt, dass sie nicht
bereits im Gange sind. Dennoch muss man sich als Anlieger aber auch
bewusst sein, dass solche Gebühren erhoben werden können und
werden. Darum geht es im Streit wohl auch nicht. Den Anwohnern ist –
rein rechtlich betrachtet korrekt – ein solcher Vorbescheid zugegangen.
Vielleicht hätte man diesen anders formulieren können
(müssen), das hätte im Endeffekt aber keinen anderen Inhalt
nach sich gezogen. Die geltende Satzung, auf deren Grundlage die
Vorbescheide erstellt wurden, ist im November 2004 mit den Stimmen aller Fraktionen beschlossen worden,
auch denen der CDU-Fraktion. Es heißt in der Satzung
wörtlich: (§ 12 Abs. 1)
„Sobald mit der
Durchführung der Maßnahme begonnen worden ist, kann die
Stadt Prenzlau Vorausleistungen bis zur Höhe des voraussichtlichen
Beitrages erheben.“
Dagegen offen zu polemisieren, ist weder nutzbringend, noch korrekt.
Gegen „Behördenwillkür“ politisch anzugehen, ist eine
durchaus legitime und inhaltlich voll zu unterstützende
Maßnahme. Eine allerdings von allen politischen Kräften
dieses Hauses einstimmig beschlossene und getragene Satzung als
„Behördenwillkür“ abzuwerten, mit polemisierenden Flyern
Leute aufzuhetzen und einseitig zu informieren, ist mehr als „falsch
Zeugnis ablegen, wider seinem Nächsten“ (9. Gebot, 2. Mose 20,16),
das ist pure Demagogie. Wenn man sich schon als Schutzpatron der
Bevölkerung ausgibt, sollte man auch mit offenen Karten spielen.
Dass die Kommunikation zwischen Einwohnern und Stadt nicht ideal
gelaufen ist, will ich einräumen. Dennoch: Es gab eine
Einwohnerversammlung im Vorfeld der Baumaßnahmen, auf der diese
erläutert wurden. Die Verwaltung wird sich angewöhnen
müssen, zukünftig zeitnah den Beginn der Baumaßnahmen
noch einmal in Erinnerung zu bringen. Das ist insofern auch fair, als
dass die betroffenen Bürger die von ihnen erwarteten Beiträge
bereitstellen können.
Abschließend kann ich nur betonen, dass der Aufschrei eines Teils
der Anwohner der Schenkenberger Straße von einigen Kräften
in der Parteipolitik missbraucht wurde, um das gesellschaftliche Klima
in dieser Stadt weiter zu verschärfen – so ist jedenfalls das
Ergebnis.“
Es bleibt zu befürchten, dass dies nicht der letzte
Profilierungsversuch unserer christlichen Demokraten geblieben sein
wird.
Von Jörg Dittberner
Bibelspruch - auch für Atheisten!
Den Parteien der Prenzlauer „Oppositionskoalition“ CDU, SPD und FDP
gewidmet: Jesaja 41,24: „Siehe, ihr seid aus nichts, und euer Tun ist
auch aus nichts; und euch wählen ist ein Greuel.“ – Wo die Bibel
Recht hat, hat sie einfach Recht!
Gefunden von Hubert Moser
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