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Prenzlauer Drucksachen Sie sind hier: LINKSrUM > Ausgabe Juli/August 2007
   

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LINKSrUM Juli/August 2007


Instrumentalisiertes Gedenken


Entwurf des Denkmals„Soldaten mögen Kriegsdrohungen, aber keine Kriege. […] [Sie] wissen, dass Menschen verletzt und getötet werden, […]“, so der linksliberale Kritiker der US-Gesellschaft Gore Vidal. Seit Gründung der Bundeswehr 1955 kamen mehr als 2.600 Soldaten ums Leben. Kampfeinsätze standen dabei nicht im Vordergrund. Dennoch, allein seit dem Beginn der ISAFMission in Afghanisthan sind 21 Bundeswehrangehörige ums Leben gekommen.

Opfern gedenkt man. Ehrenmale sollen dabei eine würdige Umrahmung liefern. Unsere deutsche Geschichte lieferte uns den Anlass für sehr viele solcher Gedenkplätze. Das Bundesland Brandenburg ist beispielsweise das Land mit den meisten sowjetischen Kriegsgräberstätten in Deutschland. In vielen Dörfern und Städten finden wir heute Kriegerdenkmale, die an die Gefallenen der Kriege gegen Napoléon (Befreiungskriege 1813-15), im deutsch-französischen Krieg 1870/ 71, in den beiden Weltkriegen erinnern. An Soldaten, die oftmals wider eigenen Willen ihr Leben für eine gute Sache oder die Expansionspläne machtbesessener Fürsten, Feldherrn oder Diktatoren geben mussten.

Nach den Plänen von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) soll nun in Berlin ein Ehrenmal für ums Leben gekommene Bundeswehrangehörige errichtet werden. Der Ort ist historisch prägend. Im Innenhof des Bendlerblocks wurden am Abend des 20. Juli 1944 die führenden Köpfe des Attentats gegen Hitler standrechtlich erschossen. Der Ort stimmt also. Das Gedenken an die toten Soldaten auch, denn auch ihnen blieb die Wahl, leben zu wollen, nicht überlassen. Sie starben im Einsatz, bei Manövern, bei humanitären Aktionen und anderen Hilfsaktionen. Warum also eine kritische Haltung?

Das geplante und der Öffentlichkeit vorgestellte Ehrenmal widerspricht aus meiner Sichtweise dem Zweck. Der angesprochene Bau ähnelt eher der Monumentalarchitektur vergangener Zeiten, dem „Heldengedenken“ etwa in Tannenberg (heute Polen) oder München (Feldherrnhalle). Brauchen wir solche Triumphhallen oder Heldentempel? Ich denke nein. Ein schlichter Gedenk- und Erinnerungsort würde den Hinterbliebenen mehr geben, als ein „antiker Tempel“ hinter einem goldschimmernden Vorhang. Zuviel Schickschnack, der dem eigentlichen Ansinnen nicht entspricht und die Toten für staatliches Heldengedenken instrumentalisiert. Für mich: Missbrauch.

Und ein zweiter Punkt stört mich am Umgang mit der sehr sensiblen Thematik. Im Jahr 1956 hatte das deutsche Staatengebiet zwei Armeen. Auch in der Nationalen Volksarmee und bei den Grenztruppen der DDR starben Soldaten im „Einsatz“. Auch sie hatten nicht die Wahl zwischen Leben und Tod. Tödliche Unfälle passierten, gleich, aus welchem Grund. Auch in der NVA gab es Hilfsaktionen: Schneekatastrophen, Bahnstreckenbau, Kohleabbau, Hochwasser etc. Warum werden diese Opfer in der Bundesrepublik ausgegrenzt? Ein Zwei-Klassen-Gedenken steht dem zusammenwachsenden Staat Bundesrepublik ebenso schlecht zu Gesicht, wie diese Handhabung in anderen Bereichen. Hier sollte beim Bundesverteidigungsministerium neu gedacht werden.

Von Jörg Dittberner