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LINKSrUM Juli/August 2007
Zum Thema „Wohnungsaffäre“
Die sogenannte
„Wohnungsaffäre“ des Prenzlauer Bürgermeisters wurde
landesweit wie ein Kapitalverbrechen zu einem erstrangigen Politikum
hochgespielt und hat inzwischen Formen einer Schlammschlacht erreicht,
bei der gezielt einseitige Schuldzuweisungen dominieren. Mit Sicherheit
sind die damit verbundenen Vorgänge gegenüber den daran
Beteiligten kritikwürdig, aber der Missbrauch für
populistisches Wahlkampfgehabe, insbesondere der Prenzlauer CDU, und
der wenig faire Umgang mit der Angelegenheit in den Medien muss ebenso
gewertet werden. Trotzdem haftet der Sache, wie Herr Haffer (SPD) in
seinem Leserbrief in der PZ vom 16.06. durchaus berechtigt schrieb,
„ein fader Beigeschmack“ an. Anmaßend ist aber seine
Abschlussfrage: „Wo bleibt hierzu der moralische Zeigefinger von Vater
Moser, der sich doch sonst über alles und jeden zum Moralapostel
erhebt?“ Das veranlasste den so Angesprochenen am 18.06. nachfolgendes
Schreiben an Herrn Gustav-Adolf Haffer zu senden:
Die Redaktion
„Herr Haffer,
lassen Sie mich auf diesem Wege auf die provokante Frage in Ihrem
Leserbrief vom 16.06. antworten. Sie erwarten offensichtlich, dass ich
meine Meinung zu der „Wohnungsproblematik des Bürgermeisters“
offensichtlich in der Presse verbreite. Das würde ich bestimmt
tun, wenn Sie mir schon mit „gutem Beispiel“ vorangegangen wären,
Ihre innerfamiliären Kontroversen ebenfalls in den Medien
darzustellen. Selbst wenn ich kritikwürdige Punkte in diesem
Vorgang festgestellt haben sollte, werden diese eben
„innerfamiliär“ ausgetragen, auch wenn Sie sich auf meinen
„moralischen Zeigefinger“ berufen und mir diese Rolle eines
„Moralapostels“ zuweisen. Danke für den „Ehrentitel“, auch wenn
er, von Ihnen kommend, ausschließlich negativ zu deuten ist. Aber
wenn Sie schon solche Ehrungen vornehmen, dann möchte ich auch
gleich meiner „Apostel-Rolle“ gerecht werden:
Setzen Sie sich doch einmal kritisch mit Ihrem engsten Parteifreund
Hoppe auseinander. Ihm steht doch erst recht nicht zu – wie in der
Fernsehsendung des RBB geäußert – dem Bürgermeister
„moralisch verwerfliches Handeln“ vorzuhalten, „das Konsequenzen haben
wird“. Herr Hoppe, der aus seiner einstigen Amtszeit noch eigene
Leichen im Keller aufbewahrt, die noch nicht vermodert sind, sollte
sich nicht anmaßen, über andere Leute „Moral“ zu
schwadronieren.
Vielleicht müsste man die Öffentlichkeit noch einmal daran
erinnern, wie es in den 90er Jahren dazu kam, dass als einziges
Gebäude in der Bergstraße das Haus 8 bis 9 mit großem
Aufwand (Verlegung langer Leitungen von der Friedhofstraße her
u.a.) restauriert und modernisiert wurde, weil es der
Bürgermeister damals für sein familiäres Domizil
auserwählt hatte. Gab es da keinen Amtsmissbrauch und keine
Vorteilsnahme als Bürgermeister und Vorsitzender des
Aufsichtsrates des Wohnungsunternehmens? Hat er für seine
spätere Wohnung in der Rosa-Luxemburg-Straße einen WBS
vorgelegt? Und hat er diese Wohnung ohne vorherige Erfüllung von
Sonderwünschen hinsichtlich der Beschaffenheit bezogen?
Keine „moralischen Probleme“ hatte Herr Hoppe, als er sich 1996
unberechtigt von der SVV in eine höhere Vergütungsgruppe
einstufen ließ (die Beschlussvorlage trug neben seiner eigenen
Unterschrift nur die eines Amtsleiters!). Zustimmung gab es seinerzeit
nur knapp 40 % der Stadtverordneten (7 ja – eigene Fraktion -, 6 nein,
5 Enth.), da schon das Ansinnen damals als fragwürdig
eingeschätzt wurde. Richtig „moralisch“ wurde es aber, als nach
offizieller Feststellung der Unrechtmäßigkeit der
Höherstufung einer Rückzahlung des Geldes eingefordert wurde:
PZ vom 05.06.1999: „Stadtverordnete erwarten Rückzahlung“ und
„Hoppe: Was heißt hier moralisch?“: „Auf die Frage, ob es nicht
schon allein aus moralischen Gründen heraus
selbstverständlich sei, dass die zu viel bezahlten Bezüge –
letztlich Steuergelder der Stadt – zurückgegeben werden
müssten, antwortete Hoppe mit der Gegenfrage. „Was heißt
hier moralisch? Ich betrachte das Geld nicht als zuviel bekommen“. Er
persönlich, so Hoppe, habe zwar die nicht öffentliche
Sitzungsvorlage zur Erhöhung der Bezüge für eine
Entscheidung am 12. Juni 1996 unterschrieben, sich aber zum Zeitpunkt
der Entscheidung im Urlaub befunden, also keinen Druck auf die
Stadtverordneten ausgeübt.“ – Wie großzügig!!!
Herr Haffer, sorgen Sie doch dafür, dass Leute Ihrer eigenen
Partei, nicht mit Steinen auf andere werfen, wenn Sie selbst im
Glashaus sitzen. Übrigens überlege ich noch, ob ich diese
Zeilen nicht in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zukommen lasse.
„Vater Moser“
(Siehe dazu auch: Zur
"Wohnungsaffäre")
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