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LINKSrUM September 2007


Alle reden über den Marktberg, keiner tut etwas – Eine Polemik


Marktberg-Vision
Marktberg-Vision von Dr. Mathis Mühlemann,
Magdeburg, Berlin/ Magdeburg/ Stade 2007
Eine Vielzahl von Wortmeldungen beschäftigt sich mit dem allgemeinsten Anspruch an die Marktbergbebauung, mit der Aussage es soll schön, anspruchsvoll, zukunftsorientiert und voller Atmosphäre sein. Unterhalb dieses Anspruchs wird oft Widersprüchliches angemahnt. Wer die Zusammenhänge kennt, merkt an den Beiträgen, dass vieles interessengelenkt und allein aus diesem Grund der Sache wenig dienlich ist.

Inzwischen wurde infolge getroffener Entscheidungen viel Geld ausgegeben, in der Regel von den Betroffenen der Entscheidungen und nicht von denen, die Entscheidungen getroffen haben. Viele der immer wieder neuen Vorschläge und Forderungen nehmen darauf keine Rücksicht und man sollte sich dann nicht wundern, wenn in der Zukunft solche Allgemeinplätze keine Würdigung erfahren.

Gegenwärtig versuchen wir Demokratie zu leben und zu praktizieren. Ein Grundsatz ist, dass Entscheidungen, wenn sie demokratisch getroffen sind, die Basis weiterer Arbeit sind. Für den Marktberg gilt: Der Abriss erfolgt komplett, niemand kann hinter diese Entscheidung zurück. Es gibt kein Argument, dass in den öffentlichen Beiträgen aufgetaucht ist, welches nicht bei der Entscheidungsfindung Pate gestanden hätte. Darauf fußend hat sich eine kleine Gruppe aus allen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung für eine Weiterentwicklung des Beschlusses eingesetzt. Mit dem bekannten Interessenbekundungsverfahren und ersten Lösungsansätzen. Dies war zunächst der einzig gangbare Weg, andere Interessenten standen und stehen zur Zeit nicht zur Verfügung.

Es stellt sich die Frage, warum dieser von allen beschrittene Weg mit Leidenschaft torpediert wird, auch von denen, die den Weg mit geebnet haben. Man könnte meinen, dies ist eine Prenzlauer Spezialität. Es gibt aber auch anderswo ein unterschiedliches Demokratieverständnis.

Was ist jetzt folgerichtig? Den gegenwärtigen Interessenten für die Investition solange begleiten, bis etwas Umsetzbares sichtbar wird, dazu bedarf es keiner wie auch immer gearteten Konzeptionen. Ein Investor wird nur das bauen, was der Markt auch trägt. Übrigens war dies in früheren Gesellschaften auch immer der Fall, nur in der DDR hat es anders begründete Lenkungseingriffe gegeben. Alles, was wir tun oder lassen, muss der Tatsache Rechnung tragen, dass es sich bei der Marktbergentwicklung um eine der wichtigsten Entscheidungen handelt, die Prenzlauer Bürger selbstbestimmt zu entscheiden haben.

Was kann künftig passieren? Wir vergraulen den jetzigen Investor oder er erkennt selbst, dass er die Sache zu optimistisch gesehen hat und die Umsetzung nicht durchsteht – erst dann ist neues Handeln erforderlich. Sollten wir wieder zum Anfang zurückkehren, kann dieser Anfang nur von einem beräumten Marktberg ausgehen. Dann ist allerdings auch genügend Zeit zur umfassenden Bürgerbeteiligung, weil dann klar ist, dass das Areal auf Jahre ein „fast“ leerer Platz bleibt und Zwischenlösungen erforderlich macht.

Von Ulrich Cymanek