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LINKSrUM September 2007
Neuer Weg! – „Holz“weg!
Brachte es das „Sommerloch“ oder kam es, weil Prenzlauer nichts anderes
zu tun haben? Egal, der Marktberg ist wieder im Gespräch.
Diskussionen a la Hans Kassube sind so überflüssig wie ein
Kropf. Stadtentwicklung funktionierte noch nie in der Geschichte nur
nach momentanen Bedürfnissen. Und heute sind langfristige
Denkweisen notwendiger denn je. Natürlich soll auch heute die
Stadt Prenzlau lebenswert sein. Wenn auch nicht wie in
Architektenschwärmereien erdacht, so präsentiert sich doch
das Friedrichstraßen-Center als Magnet, auch für Menschen
von außerhalb. Und außer den berechtigten Kritiken am
grünenden Unkraut, sind die Kritiker der Friedrichstraße
verstummt. Was auch dort – leider – nur in Kampf und Streit geboren,
erweist sich als lebensfähig und umsatzsteigernd. Und das soll am
Marktberg nicht gelingen?
Die neuen Marktberg-Konzepte und –denkpapiere sind da wenig hilfreich.
Ich teile wesentliche Punkte des SPD-Ortsvereins-Positionspapiers. Die
Stadt Prenzlau muss mit ihrem „Pfund“ Marktberg „wuchern“, muss
Besseres gestalten, als vorhanden, muss die zentrale Rolle des Marktes
erfassen und umsetzen usw. Aber diese Denkweise dominiert doch nun die
Diskussionen schon in den letzten 2-3 Jahren. Neue Definitionen des
Ziels sind nicht notwendig, denn das Ziel ist eigentlich allen klar!
Der französische Schriftsteller Marcel Proust hat es auf den Punkt
gebracht: „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue
Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen.“ Und ich
meine, Augen auf. Dann bekommen wir den richtigen Blick auf das, was
uns heute und in den nächsten 20-30 Jahren nutzt.
Auch auf die Gefahr hin, wieder als „intelligenter Demagoge“
abgestempelt zu werden: Herr Holz, das von Ihnen dargestellte Projekt
(es war in der PZ vom 12. Mai 2007 und noch einmal am 11. August 2007
zu finden) bietet diesen Blick mit offenen Augen nicht. Es erweist sich
für mich als „Holz“weg. Weder bietet dieses Objekt die Rolle als
Magnet der Innenstadt, als Schlüsselstellung für die
Entwicklungsgebiete „Tor zum Uckersee“, Marienkirche und
Heiliggeistkapelle, Steinstraße und Friedrichstraße, noch
wird es umsatzsteigernd für die ansässige Händlerschaft
sein. Ein Wohnkomplex mit kleinen Läden, der zwar augenscheinlich
nett aussieht, ist dem großen Entwicklungsziel „Revitalisierung
der Innenstadt“, dem alle Fraktionen und mitwirkenden Kräfte
zugestimmt haben, nicht dienlich. Hier geht es letztendlich doch nur um
ein Sahnestück für gehobenes Wohnen für die
Wohnungsgenossenschaft. Das wird DIE LINKE. aber nicht mittragen.
Die Diskussion um das Zentrenkonzept und die dort vorgestellte
Prenzlauer Liste zeigen die Defizite im Prenzlauer Handel, besonders im
Innenstadtbereich. Ist es wirklich so schwer, sich ein gefälliges,
meinetwegen auch kleinteilig bebautes, Einkaufszentrum, Markt- oder
Mariencenter, mit diesen Sortimenten vorzustellen? Ob der
gegenwärtige Interessent diese Ideen verwirklichen kann, bleibt
abzuwarten. Und wenn nicht er, dann gibt es bestimmt Lösungen, die
gefällig sind. Die Bedürfnisse der Prenzlauer müssen
dabei eine Rolle spielen: ein Mix aus Handel, Dienstleistungen,
Gastronomie und Unterhaltung, Marktplatz, Erholung ... All diese
Faktoren müssen Synergien erzeugen, die Einheimische von heute und
morgen sowie Touristen in die Stadt locken. Nicht erst Herr Archut
bezeichnete den Platz als „Kommunikationszentrum“. Und wo lässt
sich besser kommunizieren als dort, wo man sich begegnet?
Es sollte nicht um parteienpolitische oder einseitige Machtpositionen
gehen. „Das Bedürfnis nach Macht existiert, weil es ein Ersatz
für die Seele ist.“ (Dustin Hoffman) Entdecken wir unsere Seele
für Prenzlau.
Von Jörg Dittberner
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