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LINKSrUM September 2007
Mutig ist er – unser SPD-Bundestagsabgeordneter Meckel
Man kann es einfach nicht fassen, was man in einem Kommentar des
SPD-Bundestagsabgeordneten der Uckermark, Markus Meckel, über die
letzte Gerichtsentscheidung zum „Bombodrom“ in der Kyritz-Ruppiner
Heide angeboten bekommt, der in der Evangelischen Wochenzeitung „die
Kirche“ Nr. 32/2007 vom 12. August veröffentlicht wurde:
„Der Beschluss des
Potsdamer Verwaltungsgerichts gegen die Nutzung des ehemaligen
sowjetischen Bombenabwurfplatzes durch die Bundeswehr ist ein klarer
Sieg der Bürgerinitiative... Nach diesem Urteil ist der
Bundesverteidigungsminister aufgerufen...die Nutzung als Luft-
Boden-Schießplatz fallen zu lassen.“ „Doch wäre das ein Sieg
für den Frieden? Ich bezweifle das! Die Bundeswehr hat – auch mit
ihren Auslandseinsätzen – einen friedenspolitischen Auftrag... Wir
haben nach 1990 lernen müssen, dass zivile
Entwicklungsperspektiven in Krisengebieten oft eine militärische
Absicherung brauchen. Und dafür sind eben auch Übungsgebiete
für die Soldaten nötig. Bisher hat die Bundeswehr diese meist
im Ausland gefunden, in den USA oder auf kleineren Plätzen in weit
dichter besiedelten Regionen Westdeutschlands. Wer Europa
sicherheitspolitisch stärken möchte und eine stärkere
internationale Rolle der EU wünscht, muss auch akzeptieren, dass
in schwächer besiedelten Gebieten in Deutschland
Übungsplätze von der Bundeswehr genutzt werden... (Deshalb)
bleibt für mich der Wunsch der Bundeswehr, diesen für sie
idealen Platz zu nutzen, verständlich... Fazit: Der
friedenspolitische Auftrag der Bundeswehr bleibt bestehen. Er ist in
der Region nur schlecht vertreten worden. Nicht der Frieden hat hier
einen Sieg errungen, sondern eine Region, die sich entwickeln will und
dafür schnell Klarheit braucht.“
Es gibt bei zahlreichen Politikern, insbesondere bei den sogenannten
„Bürgerrechtlern“ der einstigen „DDR-Opposition“ das
Phänomen, dass sie je nach inzwischen ergattertem Status in der
politischen Hierarchie des Landes ihre Einstellungen bzw. Haltungen
ändern, wie ein Chamäleon bedarfsbedingt seine Farbe
wechselt. Dazu gehört unter anderem auch ein Herr Meckel. Man
erinnere sich: Einst gehörte er, wie seine Amtsbrüder Rainer
Eppelmann und Hans-Jochen Tschiche, gemeinsam mit Robert Havemann, zu
den Initiatoren bzw. Unterstützern des „Berliner Appells“ unter
der Losung „Frieden schaffen ohne Waffen“ (Jan. 1982). Hat er
vergessen, welche damaligen Forderungen seine Unterstützung
fanden? „Weg mit allen Atomwaffen aus Deutschland; Ende mit der
sinnlosen Verschwendung von Arbeitskraft und Reichtum unseres Volkes
für die Produktion von Kriegswerkzeug und die Ausrüstung
riesiger Armeen junger Menschen. Sollten wir nicht lieber den
Hungernden in aller Welt helfen, statt fortzufahren, unseren Tod
vorzubereiten?“ („Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das
Erdreich besitzen“, hieß der in diesem Appell verwendete
Ausspruch von Jesus in der Bergpredigt.)
Damals bestand auch die Forderung nach Rückzug der
Besatzungsmächte aus Europa. Die USA sollten Westdeutschland
verlassen, die Sowjetunion sich aus ganz Mittelund Osteuropa
zurückziehen; beide deutschen Staaten sollten aus ihren
Militärbündnissen, der NATO und dem Warschauer Pakt,
austreten. Und dazu wurde der biblische Prophet Micha (4, 3)
strapaziert: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre
Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere ein
Schwert aufheben und werden nicht mehr kriegen lernen.“
Gilt das heute nicht mehr für Herrn Meckel? Ist inzwischen der
Prophet Joel sein Orientierungsgeber geworden? Dieser verkündete
(3, 9 und 10): „...Lasset herzukommen und hinaufziehen alle
Kriegsleute! Machet aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren
Sicheln Spieße! Der Schwache spreche: Ich bin stark!“ - Das passt
eindeutig besser zur derzeitigen Politik der NATO unter USFührung.
Man heult also mit den Wölfen. Da bleibt die Frage, ob sich
derartig prinzipienlose Politiker überhaupt noch im Spiegel selbst
in die Augen sehen können.
Fazit: Auf deutschem Boden gibt es noch große und kleine
amerikanische Stützpunkte und in Arsenalen mehr als 150
Atomwaffen. Von diesen Stützpunkten aus realisieren die USA auch
ihre aggressiven Feldzüge als selbst ernannte Weltordnungsmacht.
Und die Bundesrepublik „bewährt“ sich als höriger Vasall. Wer
solche Funktion einnimmt, soll seine Flugzeuge ruhig weiter in den USA
trainieren lassen. Für Bombenabwürfe in aller Welt, wie in
Jugoslawien, sollte die Bundesluftwaffe künftig ohnehin nicht zur
Verfügung stehen. Außerdem droht der Bundesrepublik kein
kriegerischer Angriff, der eine Landesverteidigung in absehbarer Zeit
erforderlich machen würde. Es ist schlimm genug, wenn ein
ehemaliger „Friedensapostel“ Auslandseinsätze der Bundeswehr im
Interesse imperialer Ziele der USA für gut und
unterstützungswürdig betrachtet.
Übrigens haben die Gerichte bisher übereinstimmend
festgestellt, dass sich das „Bombodrom“ bei den heute geltenden
Lärmgrenzwerten schlicht und einfach nicht als Übungsplatz
für die Luftwaffe eignet. Und das unterscheidet diesen Platz
grundlegend von den beiden Übungsgebieten in Bayern und
Niedersachsen, auf denen die Bundeswehr die Lärmgrenzwerte
einhalten kann, wusste der „Uckermark Kurier“ am 02.08.07 zu berichten.
Herrn Meckel scheint das entgangen zu sein. Trotzdem bleibt es
nachvollziehbar, wenn der Landrat des niedersächsischen
Landkreises Grafschaft Bentheim den dortigen Übungsplatz in
Nordhorn-Range loswerden möchte. Auch dort haben die Bürger –
wie in Nordbrandenburg - einfach die „Schnauze voll“!
Es bleibt dabei: Alle Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger –
zahlreiche Volksvertreter verkaufen das Volk! Das sollten Wähler
künftig berücksichtigen, denn die nächste Bundestagswahl
kommt bestimmt.
Von Hubert Moser
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