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LINKSrUM September 2007
Von oben betrachtet
Urlaub ist der Höhepunkt des Jahres. Und ich
habe ihn genossen, in vollen Zügen! Tirol war für 14
wunderschöne, leider zu kurze Tage mein Domizil. Allein mit der
Familie und Freunden, umgeben von netten Menschen, einer spannenden
Umgebung und Bergen, die für den hügellandverwöhnten
(Neu-)Uckermärker eine imposante Kulisse darstellen.
Die Brixental-Alpen sind eines der schönsten Urlaubsgebiete in
Österreich. Land und Leute haben viel zu bieten. Vor allem aber
faszinierte mich die relative Gelassenheit unserer Nachbarn. Fern von
jeglichem Alltagsstress verbringen sie ihr Leben. Man wird
förmlich angesteckt von dieser Ruhe. „’s get schoa“, ist die
Devise der 14 Tage gewesen. Schön war – und das ist zu Hause nur
selten zu arrangieren –, dass man den Tag über mit der Familie
verbringen konnte. Keine Sitzungstermine, Pflicht-Veranstaltungen,
Dienstberatungen, Ausschüsse und vor allem keinen Stress. Umsorgt
sein, Freude zu haben, Gelassenheit leben.
Auch der anstrengende Ausgleich
gehörte zur Entspannung. Immerhin
standen auch Wanderungen auf dem Urlaubsplan. Nicht unbedingt die
weiten Kilometer waren es, sondern die Höhenmeter, die bezwungen
werden mussten. Und wenn man in 800 Metern den Aufstieg beginnt, dann
weiß man, was Hans Kammerlander (ein italienischer Bergsteiger)
meinte, als er 1984 bei der Bezwingung der sieben Achttausender
äußerte: „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder
unten bist – so lange gehörst du ihm“. Nun waren meine Gipfel –
der Guggenkögele, der Fleiding-Gipfel und der Gampenkogel – eher
in den Bereich der 1850 bis 1957 Meter hohen Gipfel. Trotzdem
weiß man am Abend, warum einem das kühle Radler so gut
schmeckt.
Es waren auch Touren dabei, die gemeinsam mit der Familie bestritten
werden konnten. Österreich hat es geschafft, in seinen
Touristengebieten sich voll und ganz auch den Familienurlaub mit
Kindern einzustimmen. Familienparks, Wanderattraktionen für Kinder
und überall Tierstationen sind eine clevere Lösung.
Und noch eins
stimmte meine Familie und mich froh: An keinem Parkplatz
stand ein Parkautomat, eine Parkuhr oder ein Zahlhäuschen. Parken
frei. Das Benzin war im Schnitt zwischen 25 und 30 Cent preiswerter als
bei uns. Eintrittspreise in die Kinder- und Familienattraktionen gab es
nicht. Einzig die Gondelbahnen waren teuer. Aber auch da gab es
Rabattsysteme und Ticketangebote. Ein stimmiges Konzept. Also durchaus
möglich ...
Insgesamt war der Urlaub die pure Erholung. So schön, dass ich
mich nur schwer von Fleckchen wie der Kreuzjöchlalm und dem
angrenzenden See trennen konnte. Trotz relativ hoher Preise im
alltäglichen Leben (allerdings verdienen die Österreicher
wesentlich besser als wir Deutsche) wäre das eine Alternative zu
deutschem Stress und heimischer Hektik.
Gut erholte Grüße
Von Jörg Dittberner
Dass
man sich in Österreich nicht nur gut erholen kann, sondern dort
auch sehr intelligente Menschen lebten und leben zeigt der Ausspruch
des Wieners Karl Kraus. Kraus, der von Brecht schon 1934 zum „ersten
Schriftsteller unserer Zeit“ ernannt wurde, brachte unsere Zeit auf den
Punkt: „Alles Leben in Staat und Gesellschaft beruht auf der
stillschweigenden Voraussetzung, dass der Mensch nicht denkt.“ Wie wahr!
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