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Abgeordnete und FraktionenSie sind hier: Abgeordnete und Fraktionen > PDS-Fraktion SVV Prenzlau > Stellungnahme der Fraktion zur Stasi-Überprüfung
   

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Stellungnahme der Fraktion zur Stasi-Überprüfung


Wortlaut der Stellungnahme zum Antrag der SPD-Fraktion auf Überprüfung der Abgeordneten auf Stasi-Mitarbeit

"Verehrte Damen und Herren,

im Namen der Fraktion DIE LINKE.PDS spreche ich mich gegen die von der SPD beantragte "Überprüfung der Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung auf inoffizielle Mitarbeit bei der Staatssicherheit der DDR/ Amt für nationale Sicherheit" aus.

Zur Begründung einige Fakten:

1. Die meisten Abgeordneten der SVV dürften bereits in zurückliegenden Jahren ein oder mehrere Male überprüft worden sein. Andere Abgeordnete sind entweder zu jung für eine inoffizielle Mitarbeit bzw. auf anderen Wegen bereits durch staatliche Stellen überprüft worden.

2. Wir befinden uns im Jahr 16 der Deutschen Einheit. Zum Ende des Jahres 2006 (28.12.) laufen sämtliche Überprüfungen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Der Nutzen der neuerlichen Überprüfung ist nicht nur nicht erkennbar, sondern dieser Schritt wäre ein Schritt in die historisch falsche Richtung. Die Aufarbeitung der Akten/ Unterlagen sollte Historikern vorbehalten sein.

3. Der Antragsteller scheint mit seinem Antrag auf den medial aufbereiteten Zug aufspringen zu wollen, der die Gesellschaft der Bundesrepublik mehr zerreißt als zusammenwachsen lässt. Dieses Zusammenwachsen war und ist das erklärte Ziel der bundesdeutschen Politik aller demokratischer Parteien seit 1990. Will die SPD-Fraktion, wollen Sie, Herr Hoppe, die Stasi-Hysterie auch nach Prenzlau holen?

4. Da der Antrag mitten in der Legislaturperiode gestellt wird, ist die im Antrag vorgegebene Begründung, dass es "in einem frei und demokratisch gewählten Organ der Stadt Prenzlau [...] bekannt sein [sollte], wer sich bei der Staatssicherheit der DDR eingebracht hat", ziemlich fadenscheinig. Warum bestand dieses angebliche Interesse nicht bereits kurz nach Zusammentreten der SVV im Herbst 2003? Hatten die Bürger damals vermeintlich noch kein Interesse daran? Wie viele Prenzlauer wollen Sie denn prophylaktisch überprüfen lassen, denn es folgen ja auch in den kommenden Jahren wieder Wahlen und das im Antrag unterstellte Interesse wäre dann wahrscheinlich doch auch vorhanden?

5. Der Antrag ist schon deshalb unlogisch und abzulehnen, weil er die hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS nicht mit einbezieht.

6. Die Stadt Prenzlau ginge bei Zustimmung zu diesem Antrag einen Weg, den man bei kommunalen Parlamenten in den meisten Städten bereits nicht mehr geht, also auch hier einen Schritt zurück.

7. Der Antragsteller ist zudem jemand, der in der Öffentlichkeit den Weg der Transparenz selber scheut, gleichzeitig aber erwartet, dass anderer Abgeordneter Biografien öffentlich gemacht werden sollen. (Ich nenne das Doppelmoral!)

Das Stasi-Unterlagen-Gesetz sieht eine Überprüfung kommunaler Verantwortungsträger vor. Die Praxis zeigt, dass die Bewertung und mögliche Personalentscheidungen - die bei gewählten Abgeordneten gar nicht möglich/ durchsetzbar sind - nicht auf solider Basis und unter Abwägung aller verfügbaren Tatsachen in vielen Fällen erfolgt sind. Allein der bloße Verdacht hat Menschen öffentlich in Misskredit gebracht. Das ist in der großen Politik so gewesen und ist im Kleinen nicht anders. Zudem waren Konsequenzen nahezu nie gegeben, nicht mal in den Fällen, wo es durchaus angebracht gewesen wäre. (Zitat)

Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen hat die einfache Aufgabe entsprechende Fakten zu erforschen. Die schwierige Aufgabe des Umgangs mit dem Ermittelten und die Bewertung obliegen dann Laien, oftmals mit politischer Motivation. Diesem Tatbestand möchte ich keinen von uns Abgeordneten ausgesetzt sehen.
16 Jahre nach der deutschen Einheit sollten wir andere Fragen zu klären haben, als in den nicht mehr abänderbaren Biografien zu wühlen. Menschen sollten nach ihrem gegenwärtigen Tun und Handeln beurteilt werden.

Und wer wirklich seine eigene Biografie aus der Feder anderer Menschen lesen möchte, dem steht bis zum 28. Dezember 2006 der Weg der eigenen Antragstellung offen.

Danke!"

Jörg Dittberner
Fraktionsvorsitzender Die Linke.PDS

Stadtverordnetenversammlung Prenzlau, 15.06.2006

Antrag der SPD-Fraktion, eingereicht durch Fraktionsvorsitzenden Jürgen Hoppe


Antrag der SPD-Fraktion


Der Antrag wurde mit den Stimmen der SPD, der CDU, der FDP und des Abgeordneten Theil und bei Enthaltung der Abgeordneten Hahlweg (beide Bürgerfraktion) gegen die Stimmen der Fraktionen Die Linke. PDS, Gerulat/ Kleingärtner und der Abgeordneten Karstädt und Schön (beide Bürgerfraktion) mit 14 Ja-, 13-Nein-Stimmen angenommen.

Die Fraktionen Die Linke.PDS und Gerulat/ Kleingärtner erklärten daraufhin, dass sie einer Überprüfung die persönliche Zustimmung verweigern werden.

Siehe dazu auch die Erklärung des Gebietsvorstandes der Linkspartei.PDS.